Kloster Blankenburg

Kloster Blankenburg ist eine der niedersächsischen Erstaufnahmen von Flüchtlingen. Es ist ein ehemaliges Dominikanerkloster, das aber schon seit 1570 sakularisiert ist. Auch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sind dort Flüchtlinge untergebracht worden. Seit November beheimatet es hauptsächlich Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Iran. Zur Zeit sind dort ca. 800 meist männliche Flüchtlinge untergebracht. Die Anlage wird von einem Pastor unserer Gemeinde mitbetreut und so werden Flüchtlinge, die sich für das Christentum interessieren, zum internationalen Bibelkreis in das Gemeindehaus Arche eingeladen. Mit vier Flüchtlingen haben wir uns ein wenig angefreundet, da sie etwas englisch sprechen und somit eine Kommunikation möglich ist. Sie haben uns letzte Woche eingeladen, sie in Blankenburg zu besuchen. Da die Anlage ein wenig außerhalb liegt, wurde eine Busverbindung in die Stadt eingerichtet, damit die Bewohner Ämter, Supermärkte, Deutschkurse usw in Oldenburg erreichen können. Mit genau dieser Buslinie sind wir hingefahren.
Unsere vier Jungs, wie wir sie nennen, bewohnen ein Sechsbettzimmer, das aber nur mit vier Stühlen ausgestattet ist. Elektrische Geräte, außer dem Netzteil eines Smartphones, sind auf den Zimmern verboten. Kaffee und/oder Tee können sie nur in einem benachbarten Haus in einer kleinen Teeküche zubereiten. In der gesamten Anlage gibt es keine Freizeiträume, Fernseher, Fitnessgeräten, Wifi o.ä..
Die Zimmer und Häuser sind sehr sauber. Auffällig sind die Toiletten. In den Häusern sind französische Plumsklos eingebaut. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die meisten Flüchtlinge unsere Toiletten nicht kennen und damit auch Probleme haben, weswegen man die französischen Klos eingebaut hat. Sie würden auf die Porzellanschüssel ‚draufsteigen‘ und dann alles verschmutzen. Wir konnten auch nach einigen Problemen an einer Mahlzeit teilnehmen. Uns war bereits auf dem Zimmer aufgefallen, dass dort tütenweise Toast-Brot herumstand. Auch zum Mittagessen wird neben Nudeln und Reis Toastbroat gereicht. Auf Nachfrage erzählte man uns, dass zwar am Anfang auch deutsches Graubrot gereicht wurde, dies jedoch nicht den Geschmack der Flüchtlinge traf, so dass man jetzt nur noch Toastbrot anbietet.
Wer die Anlage nicht verläßt, hat keine Möglichkeit Deutsch zu erlernen, da man außer den Mitarbeitern vom Sozialamt keine deutschen Muttersprachler auf dem Gelände des Klosters antrifft. Auch der Wachdienst am Eingang und in der Küche besteht (verständlicherweise) aus arabisch oder persisch sprechenden Personen. Diese spartanische Einrichtung ist verständlich, wenn die Flüchtlinge sich dort nur wenige Wochen aufhalten. Bei der letzten Belegung im letzten Jahrhundert haben dort aber manche Flüchtlinge über ein Jahr gewohnt. Dann ist eine Integration in unsere Gesellschaft nicht möglich.